Press "Enter" to skip to content

Download Die Expansion der Herrschaft: Eine demokratietheoretische by Emanuel Richter PDF

By Emanuel Richter

In den modemen GeselIschaften herrscht Unzufriedenheit mit der Politik. Verdrossene Burger sehen sich hilflos den vielfaltigen Erscheinungsformen politischer Herrschaft gegenuber. Der Einzelne kann das unubersichtliche Ganze nicht mehr durchschauen. Demokratische Legitimation ist schwie rig geworden. Daraus resultiert in West- und Osteuropa sowie in anderen Teilen der Welt ein heftiger Drang nach politischer Kleinteiligkeit: in Gestalt des Re gionalismus, des ethnischen Nationalismus, im neuen Bedurfnis nach Heimat und Uberschaubarkeit. Dieser Bewegung liegt eine merkwUrdige VorsteHung von politischer Herrschaft und Demokratie zugrunde. Die Un ubersichtlichkeit der Herrschaft soH durch r?umlich verstandene Kleintei ligkeit bew?ltigt werden. Die Komplexit't der Herrschaft, die wachsende Regelungsdichte, ger't aus dem demokratischen Blickfeld. Das Buch steHt einen Versuch dar, uber diese Zusammenh?nge aufzukl? ren und bei ihrer demokratischen Bew?ltigung Orientierungshilfe zu lei sten. Es bietet kein Patentrezept fur die Entfaltung demokratischer Legiti mation. Es ofInet vielmehr zun?chst einmal den Problemhorizont. Dazu ist es notwendig, demokratietheoretisch weit auszuholen und in die politische Theoriengeschichte einzutauchen, bevor der Schritt in die politische Praxis der Gegenwart gewagt werden kann.

Show description

Read Online or Download Die Expansion der Herrschaft: Eine demokratietheoretische Studie PDF

Best social sciences books

New Totalitarians

This booklet is a caution. it's a terrifying portrait of an "ideal" society that has destroyed democracy within the identify of "progress. " Roland Huntford demonstrates via truth after surprising truth how an it sounds as if democratic, wealthy, peaceable utopia is completely managed by way of a forms which actively discourages all symptoms of individuality.

Extra resources for Die Expansion der Herrschaft: Eine demokratietheoretische Studie

Example text

Jede siiBe Gewohnheit, einander zu sehen und zu kennen, aus der Liebe zum Vaterland eher die Liebe zu seinen Biirgem als die zu seinem Boden macht" (Ober die Ungleichheit, 1984, S. 11). Dieses Ideal beschreibt noch eine Art naturrechtliche Version jener Herrschaftsform, die Montesquieu als - unrealistische - demokratische Republik klassifiziert hatte. Politische Herrschaft hat sich noch gar nicht ausgepragt und wird durch die materielle Selbstgeniigsamkeit und Abgeschiedenheit der Menschen auf der Basis einer Subsistenzwirtschaft kompensiert.

In ahnungsvollem Blick auf den Rang der bOrgerlichen Wirtschaftssubjekte zu Rivalităt und Konkurrenz, der jegliche SelbstgenOgsamkeit der territorialen Einheiten vereitelt, setzt Rousseau auf die VorzOge kleiner Einheiten, die nach dem Prinzip der Subsistenzwirtschaft gestaltet sind. Die BOrger Oben wirtschaftliche Selbstbeschrănkung, kennen sich untereinander und erlangen dadurch eine enge persOnliche Verbundenheit sowie politische Interessenidentităt. "Wenn ich meinen Geburtsort zu wăhlen gehabt Mtte, so Mtte ich eine Gesellschaft von einer GrOlle gewăhlt, die durch das Ausmall der menschlichen Făhigkeiten begrenzt wăre, das hei6t durch die MOglichkeit, gut regiert zu werden, und in der, da jeder seinem Amt genOgte, keiner gezwungen wăre, anderen die Funktionen zu Obertragen, mit denen er betraut wurde: einen Staat, in dem - da alle Einzelnen sich untereinander kennen wOrden - weder die dunklen Machenschaften des Lasters noch die Bescheidenheit der Tugend den Blicken und dem Urteil der OOentlichkeit entgehen kOnnten und in dem 10 56 Vgl.

49). Politisch gipfelt sein dynamisches Modell in einer Art Fundamentalkritik an jeglichen Formen der Staatlichkeit. Diese Kritik wendet sich nicht gegen bestimmte raumliche Ausma6e der Herrschaft, sondem gegen das Prinzip der Territorialitat schlechthin. Rousseau erscheint als unbeugsamer Phantast, der sich nicht nur gegen den herrschenden Absolutismus, sondem gegen jegliche Fortschritts- und Modemisierungstendenzen wendet - auch gegen die biirgerliche Alternative zum absolutistischen Regime. Gleichwohl negiert er nicht den geschichtsphilosophisch volIzogenen "Austritt" aus dem Naturzustand, sondem wendet ihn zu einer scharfen Kritik an der politischen Praxis.

Download PDF sample

Rated 4.59 of 5 – based on 37 votes