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By Gerhard Plumpe, Niels Werber

Wer beobachtet die Literatur? Traditionell ist diese Frage einfach zu beantworten: Literaturwissenschaft und Ästhetik natürlich. In einer theoretischen Perspektive, die der soziologischen Einsicht folgt, daß die Gesellschaft aus sozialen Systemen besteht, die sich selbst und einander beobachten, wird die Antwort differenzierter ausfallen. Ist die Literatur ein Sozialsystem unserer Gesellschaft, dann beobachtet die Literatur all jene Systeme, die sich in ihrer Umwelt befinden: etwa die Wirt­ schaft, die Politik oder das Recht. was once sie dort sieht, kann sie in die literarische Kommunikation integrieren, etwa wenn realistische Literatur ökonomische, politi­ sche oder juristische Sachverhalte literarisch verarbeitet. Dies geschieht hochselek­ tiv, denn beobachten impliziert stets, daß etwas beobachtet wird und anderes nicht; das heißt, daß eine Unterscheidung involviert ist, die die Beobachtung leitet und zwischen dem unterscheidet, used to be selektiert wird, und dem, was once der Selektion ent­ geht. Das derart unterscheidende und beobachtende Literatursystem muß dabei everlasting entscheiden, was once es für poesiefähig hält und used to be nicht. Diese Entschei­ dung ist historischem Wandel unterworfen. Schildert der Naturalismus eines Ger­ tough Hauptmann dramatisch die bedrängten Zustände der proletarischen Milieus, so verzichtet der Ästhetizismus eines Stefan George polemisch auf derart "triviale" Themen, die dann ein halbes Jahrhundert später unter sozialkritischen Vorzeichen als Arbeiterliteratur erneut hoffähig werden. Stabil bleibt bei wechselnden The­ menvorlieben allerdings die Tatsache, daß bei derartigen Selektionen nicht die Ei­ gengesetzlichkeiten ökonomischer, politischer oder rechtlicher Verhältnisse im Vordergrund stehen, sondern die Frage, ob die aus der Umwelt ins procedure der Lite­ ratur importierten Themen interessante oder langweilige Unterhaltung versprechen.

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32-52. 7-3l. Frank, Manfred, 1989, Einfohrung in die frühromantische Asthetik, Frankfurt/M 1989. 7. 1990. Hecken, Thomas, 1995, Sexuelle Darstellung, Asthetik, Recht. Eine Stellenkunde, Manuskript Bochum. Heinzmann, Johann Georg, 1795, Appell an meine Nation, Bem 1795. , 1988, Zur theoretischen Grundlegung einer Sozialgeschichte der Literatur. v. Renate von Heydebrand, Dieter Pfau und Jörg Schönert, Tübingen 1988. Hoogeveen, Jos, 1993, Jenseits von Empirie und Hermeneutik, in: De Berg I Prangel1993, S.

Allerdings sind sprachliche Figuren, rhythmische Einheiten bereits fest klassifiziert, nur noch ganz kühne Metaphern, besonders holprige Verse könnten hiervon abweichen; auch hat man alle Geschichten bereits einmal erzählt, zur Liebesgeschichte gibt es hundert Variationen, je vielfache Aktualisierungen; selbst in den Welten von ScienceFiction und Utopia begegnen die vertrauten Landschaften; das Charakterbild des Kleinmuts - nur um irgendetwas zu nennen - als Typologie wie psychologische Studie längst vorgelegt; kein (mittlerweile) vertrauterer Trick, als alte Muster, überkommene Gattungen zu imitieren, doch stets kleine oder große Lücken, unauflösbare Ambivalenzen hinzuzufügen; das Nachschreiben, dann Anund Ineinandergliedern nicht ein Ausdruck von Bescheidenheit, das Programm einer technischen Fingerübung, sondern Gütesiegel selbstbewußten postmodernen Kunstwollens.

Anschlußfähigkeit innerhalb des Literatursystems wird freilich mit derartigen Strategien noch nicht hergestellt. Religion, Politik und Pädagogik beschränken sich bei der Entwicklung ihrer Literaturkonzepte auf den Informationsaspekt literarischer Kommunikation und gelangen quasi zu 'inhaltistischen' Beschreibungen. 'Erbaulich', 'systemkonform' oder 'belehrend' sind Texte meist aufgrund ihrer Fabeln, nicht ihrer Geschichten. Der konkreten Form stellt sich dagegen das Recht, das literarische Provokationen von rechtlich geschützten Sphären nur dann unterbindet, wenn es sich dabei nicht um Kunst handelt.

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